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Die "anderen Zigeuner". Zur Ethnizität der Rudari und Bajeschi in Südosteuropa

[Jens Bengelstorf]


Die rumänischsprachigen Rudari und Bajeschi leben in Rumänien, Serbien, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Bosnien, Kroatien und in der Slowakei. Bis heute dominiert bei vielen Menschen die Meinung, dass es sich im Falle dieser Minderheitengruppen um assimilierte Roma handelt, die ihre Sprache und Kultur verloren hätten.

Damit deutet der Fall der Rudari und Bajeschi auf eine zentrale Fragestellung bei der Erforschung von Roma- und Zigeunergruppen weltweit hin: Sind alle Zigeuner gleichzeitig Roma? Eine Antwort auf diese Frage wird nur finden, wer marginalisierte Gruppen wie eben auch die Rudari und Bajeschi in ihrer Kultur, ihrer Binnenorganisation und ihren gesellschaftlichen Kontexten begreift. Ihre Geschichte bietet eine Möglichkeit, um die Entwicklungsprozesse von der Entstehung gesellschaftlicher Subsysteme bis hin zur Ethnisierung zu verstehen.

Inzwischen ist der Diskurs auch auf der Ebene der Menschen selbst angekommen. Für viele unter den Rudari und Bajeschi stellt ihre unklare Herkunft eine große Verunsicherung dar, da sie weder von den Rumänen noch von den Roma als zu ihnen gehörig anerkannt werden. Einigen aber gelingt es, von dieser Situation zu profitieren, da sie sich je nach Bedarf dem einen oder dem anderen Lager zuordnen können.


FTF - Forum Tsiganologische Forschung an der Universität Leipzig

200 Seiten, Broschur, 12 s/w-Abbildungen, 3 Karten,
20,5 x 14,5 cm
ISBN: 978-3-938533-29-1
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