FEUERWAFFEN
FÜR DEN SULTAN. Kriegswesen und Waffenindustrie im Osmanischen
Reich (dt. Ausgabe)
[Gábor Ágoston]
Damit Staaten im Zeitalter der Feuerwaffen auf militärischem Gebiet mithalten konnten, benötigten sie Kanonen, beschußsichere Befestigungsanlagen, eine beträchtliche, mit Handfeuerwaffen ausgerüstete Infanterie und große, mit Artillerie ausgerüstete Flotten. Um in den damit verbundenen zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen wirkungsvoll bestehen zu können, mußten Monarchen ihre eigene Waffenindustrie aufbauen oder aber die Versorgung mit notwendigen Waffen und Munition sicherstellen. Langfristig war dabei die ausreichende und stabile Versorgung mit Waffen und Kriegsgerät wichtiger als – in der Regel nur zeitweilige – technologische und taktische Vorteile.
Daher kann unser Verständnis hinsichtlich der militärischen
Fähigkeiten von frühneuzeitlichen Staaten und Reichen
maßgeblich vertieft werden, wenn wir deren Versorgung mit
Waffen untersuchen. Vergleichende Daten und Analysen der Vorräte
an Waffen und Munition können Aspekte erhellen, die für
größere Zusammenhänge von Bedeutung sind, wie beispielsweise
die Frage nach Veränderungen in der Machtbalance.
Ziel dieses Buches ist es, die osmanische Waffenindustrie zu verstehen,
jenes Netzwerk und jene Methoden, mittels derer sich im 16. und
17. Jahrhundert die Sultane ihr Kriegsgerät beschafften, also
in einer entscheidenden Periode osmanischer Eroberungen und des
nachfolgenden Rückzugs. Dieses Zeitalter war – zumindest
auf den wichtigsten europäischen Kriegsschauplätzen, auf
denen das Osmanische Reich an Konflikten beteiligt war, –
eher durch Belagerungskriege als durch offene Feldschlachten kennzeichnet,
und bei diesen Belagerungen erwiesen sich die Versorgung mit Artillerie
und Schießpulver als entscheidend für den Erfolg, ebenso
wie bei der Verteidigung der osmanischen Grenzen gegen die ungarischen,
habsburgischen, venezianischen und safawidischen Kontrahenten des
Sultans.
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