Papsturkunden der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts (1057-1098).
[Hrsg.: Irmgard Fees / Francesco Roberg]
Digitale Urkundenbilder aus dem Marburger
Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden - DIGUB 2/II
Der zweite Band der DIGUB-Unterreihe „Papsturkunden“
stellt Abbildungen von weiteren 24 Urkunden aus der zweiten Hälfte
des 11. Jahrhunderts bereit. Damit dokumentiert er den größten
Teil aller 29 in deutschen und schweizerischen Archiven verwahrten
Papsturkunden aus diesem Zeitraum, darunter auf Tafel 3 auch eine
im Zweiten Weltkrieg zerstörte Urkunde.
Der vorliegende Band, der außer 20 Privilegien auch drei
Litterae (Tafeln 9–11) und ein Stück zeigt, dessen Einordnung
in die eine oder die andere Kategorie umstritten ist (Tafel 14),
widmet sich einem von starkem Wandel gekennzeichneten Abschnitt
in der Geschichte der äußeren Gestalt der Papsturkunde.
Dieser Wandel betrifft vor allem die Privilegien. Deren grundlegende
Neugestaltung, die um die Jahrtausendwende begonnen und einen ersten
Höhepunkt in der Zeit Papst Leos IX. (1049–1054) gefunden
hatte, setzte sich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts
fort und sollte erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts zum Abschluß
kommen. Am Ende der Entwicklung stand das feierliche Privileg, dessen
„ausgewogenes und prachtvolles Urkundenbild“ Peter Rück
als „ein Propagandaplakat des Papsttums, das ... im Mittelalter
seinesgleichen nicht kennt“, apostrophiert hat. Die letzten
Jahrzehnte des 11. Jahrhunderts sind jedoch noch eine Zeit des Umbruchs
– je nach Sichtweise eine Zeit der Mannigfaltigkeit oder des
Durcheinanders: Die umfassenden Veränderungen im Bild der Papsturkunde
werden in der hier vorgelegten Reihe von Abbildungen deutlich erkennbar.
Die päpstlichen Litterae des 11. Jahrhunderts hingegen werden
in der Forschung allgemein in die Tradition der Papstbriefe des
frühen Mittelalters gestellt und als deren Weiterentwicklung
verstanden. Aus dem 11. Jahrhundert gibt es nur wenige erhaltene
Exemplare; sie treten erst im 12. Jahrhundert häufiger auf
und werden schließlich zur häufigsten Form der Papsturkunden
überhaupt. Die in diesem Band abgebildeten Beispiele stammen
von Alexander II.; es handelt sich um Hanfschnurbriefe (Litterae
cum filo canapis), die alle drei leicht querformatig und in ihrer
Gestaltung sehr schlicht sind. Sie weisen eine Plica und als einzigen
Schmuck außer dem Siegel eine Hervorhebung des ersten Buchstabens
des Papstnamens auf.
REZENSIONEN
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